Aufgrund der aktuellen Straßenzustände:

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Nachdem es im ersten Teil darum ging, wie man einen Reifen nicht wechselt, bzw. wieso es so oft nicht so kommt, wie geplant, hier nun die bonn-cycling-Tipps zum Thema Vorsorge: Was man alles tun kann, damit man gar nicht erst einen Platten bekommt. Nicht nur für Draht- und Faltreifen-Verwender. Damit wir in Zukunft mehr fahren und weniger stehen, weil mal wieder einer – Überraschung! – einen Platten hat…

Standpumpe und Luftdruck

Kein Witz: eines der wichtigsten Dinge für die Verhinderung von Reifendefekten ist ein ausreichender Luftdruck – und damit eine Standpumpe. Natürlich kann man auch mit einer ganz normalen Pumpe vor jedem Start die 8 bar von Hand aufpumpen. Aber die Tendenz geht doch dann eher dahin, sich öfter mal zu sagen, „ach, das reicht schon noch“. Wenn man aber so eine schönen „Rennkompressor“ hat, pumpt man schon eher mal nach.
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Warum ist der Luftdruck so wichtig? Sehr viele Reifenschäden sind sogenannte Durchschläge: Das Rad trifft auf einen größeren, harten Gegenstand, sagen wir mal eine etwas hochstehende Eisenbahnschiene. Das Tempo und die Wucht des Aufeinandertreffens führen dann dazu, dass die Eisenbahnschiene bis auf die Felge durchschlägt (daher der Name) und Decke und vor allem den Schlauch dabei kurzzeitig einquetscht. Im Schlauch können dadurch ein oder zwei Löcher entstehen, die dann Aussehen wie ein Schlangenbiss („Snakebite“). Bei einem höheren Luftdruck wird so ein Durchschlagen natürlich eher verhindert, als wenn der Pilot eh schon fast auf der Felge unterwegs ist.

Deswegen: Vor dem Start die Reifen ordentlich mit Luft aufknallen. Wir empfehlen bei trockenem Wetter 8 bar. Und das ist bequem halt nur mit so einer Standpumpe zu schaffen.
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Wer also noch keine hat: Anschaffen! Dann werdet ihr euch wundern, für was ihr sie noch alles verwenden werdet: Frauenfahrräder, Kinderfahrräder, Kinderroller, Bollerwagen, Autoreifen, Luftmatratzen, Planschbecken, Fuß-, Volley – und sonstige Bälle oder hartnäckige Luftballons an Karneval und Kindergeburtstagen. Also eigentlich unabdingbar in einem Haushalt, der mindestens ein Fahrrad hat. Und wenn die Nachbarn erst wissen, dass ihr so ein klasse Teil zum Aufpumpen habt, kommen die auch ständig an. Die haben nämlich auch Fahrräder, und eigentlich auch nie eine brauchbare Pumpe zur Hand.

Regelmäßig die Reifen absuchen!

Wenn ein Fremdkörper durch einen Reifen dringt, ist das selten eine Sache von Sekunden. Meistens sind es kleine spitze Steinchen oder Scherben. Diese manchmal mikroskopisch kleinen Zerstörer sitzen aber oft kilometer-, tage- oder wochenlang in der Reifendecke, bis sie sich irgendwann durch die Reifendecke hindurch gearbeitet haben. Das geschieht durch die Walkarbeit des Reifens während der Fahrt. dscn00151dscn0019dscn0022

Aber gerade darin liegt eure Chance: Wer hin und wieder seine Reifen nach diesen festsitzenden Scherben und Steinchen absucht und diese (z.B. mit einem Mini-Schraubenzieher) heraus fummelt, kann sich eine Menge Reifendefekte ersparen. Nur ein bis zwei Mal im Monat kann diese 2-Minuten-Arbeit die persönliche Platten-Bilanz schon deutlich verbessern. Im Winter nach jeder Fahrt machen! Ihr werdet euch wundern, was ihr da alles zu Tage fördert.

Häufig unterschätzt: das Felgenband

Viel zu häufig ist das Felgenband Auslöser eines Reifendefektes. Kunststoff-Bänder können ausleiern und verrutschen. Bei Textil-Bändern können sich im Laufe der Zeit die Kanten der Speichentöpfe durcharbeiten und dann den Schlauch beschädigen. Deswegen: wer Felgenbänder hat (es gibt Laufradsätze, da braucht man die nicht mehr) regelmäßig ein Blick auf die Dinger werfen. Und bei kleinsten Zweifeln sofort austauschen! Denn erstens sind sie spottbillig, zweitens kann man sie draußen am Straßenrand nicht reparieren. Man kann zwar den Schlauch wechseln, aber die Ursache bleibt. Deswegen: Beim Thema Felgenband ist höchste Sensibilität angebracht!

Und sie sollten natürlich passen, also nicht zu schmal sein. Ein richtig passendes Felgenband stößt satt an beide Felgenhörner der Felge an. Ansonsten kann es sich verschieben, dadurch ein Speichentopf freigelegt werden, in das dann der Schlauch langsam hineinwandert und beschädigt wird. Deswegen: Spart nicht an diesem Pfenning-Artikel. Es lohnt sich überhaupt nicht.

Breite Reifen !

Leider fallen sie oft einem ungesunden Gewichtsfetischismus zum Opfer. Aber: breitere Reifen sind auch höher und sind deswegen besser gegen Durchschläge gewappnet als 20 mm breite (und 20 mm hohe) Dackelschneider. Hier geht es zwar nur um wenige Millimeter Höhe und verwertbare statistische Erhebungen fehlen. Dennoch: 5 mm höhere Reifen können den Unterschied ausmachen ob die Bahnschiene den Reifen durchschlägt oder nicht.

Außerdem haben breitere Reifen (bei gleichem Luftdruck) einen geringeren Rollwiederstand als schmale und das Einsetzen der Schläuche geht viel leichter, weil spürbar mehr Platz vorhanden ist. Das macht 25 oder sogar 28 mm Rennreifen zusätzlich attraktiv.

Nicht die leichtesten Reifen

Auffallend ist: Bei der Wahl der Reifen greifen sehr viele zum Top-Modell. Wer kennt den Namen des Reifens in der Modellpalette nach dem Ultremo, oder den des Reifens nach dem Conti 4000s?
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Leichte Reifen sind etwas Tolles und können ein herrliches Fahrgefühl verschaffen. Mit dem Gewicht schwindet aber auch die Materialmenge, die Reifendefekten entgegen wirken kann. Also: Es sollte sich jeder selbst überlegen, ob es immer der leichteste „Zwitscher“ aus dem Sortiment sein muss. Oftmals tut es der „Ultegra“ der Reifen nämlich auch.

Gleiches gilt für die Schläuche. Schläuche mit der Wandstärke von Kondomen sind natürlich viel empfindlicher als ein 08/15-Schlauch für 3,50 Euro. Dies gilt besonders beim Thema:

Reifen aufziehen

Am besten nur von Hand! Ganz wichtig: den Schlauch vor dem endgültigen Einsetzen leicht vorpumpen, so dass er rund ist und besser unter die Decke fluppt. Dann sitzt er vor dem Eindrücken der Decke hinter das Felgenhorn schon mal überall an der richtigen Stelle.

Denn nicht wenige Schläuche werden schon beim Einbau beschädigt, weil der Monteur zum Aufziehen der Decken Reifenheber verwendet und damit den neuen Schlauch gleich zerquetscht. Deswegen sollte man Reifenheber zum Aufziehen tunlichst vermeiden und solange es geht allein auf Handarbeit setzen. Das ist ein bisschen anstrengend und man macht sich dreckig, ja! Die Wahrscheinlichkeit ohne einen weiteren Platten nach Hause zu kommen, steigt aber mit jedem Handgriff! Manchmal geht es zwar nicht ohne Reifenheber, dann ist höchste Vorsicht geboten, ein gutes Auge und viel Gefühl und Erfahrung. Nur eins ist ganz klar: Schraubenzieher haben an dieser Stelle nichts verloren.

Genaue Größe der Reifen

Und wenn ihr Reifen habt, die so stramm sitzen, dass sie sich nur mit Reifenhebern aufziehen lassen: Decke austauschen. Notfalls auf Ebay entsorgen, verschenken oder wegwerfen. Da man Reifen nie nur einmal montiert, sondern immer wieder mal, wird eine zu eng sitzende Decke irgendwann unweigerlich zum Reifendefekt führen. Ungünstigstenfalls wenn du da draußen alleine stehst und nur einen Ersatzschlauch dabei hast.

Manchmal sitzen die Reifen auf einer anderen Felge etwas lockerer, so dass es kein Totalverlust sein muss.

Zu locker sitzende Reifen gibt es eigentlich kaum. Aber wenn, dann besteht natürlich die Gefahr, dass sich der Schlauch bei hohem Luftdruck seitlich einen Weg nach draußen sucht. Aber das ist sehr, sehr selten.

Eingeschraubte Ventile

Es gibt Schläuche, wo das Ventil in das eigentliche Luftröhrchen eingeschraubt ist, das durch die Felge gesteckt wird. Soweit, so gut. Jedenfalls bergen diese Schläuche latent die Gefahr, dass man beim Aufdrehen des Ventils (z.B. zum Aufpumpen) immer auch ein bisschen den Ventil-Einsatz aus dem Röhrchen herausschraubt. Bis dann irgendwann, langsam aber sicher die Luft entweichen kann…

Wir raten, solch dämliche Konstruktionen von seinem Rad zu verbannen. Also nur noch Schläuche zu verwenden, wo das Ventil fest ins Röhrchen eingesetzt ist. Damit ist wieder eine potenzielle Ursache für einen ungeplanten Luftverlust in den Reifen ausgeschaltet.

Wann soll die Reifendecke ausgetauscht werden?

Eine viel diskutierte Frage“ Austauschen sollte man ihn auf alle Fälle wenn ein größerer Schnitt den Reifen beschädigt hat, so dass sich der Schlauch jederzeit wieder dort herausarbeiten könnte. Reifen, denen „nur“ Profil fehlt, die nur kleine Schnitte haben oder auch mittelgroße, die aber nicht durchgehen bis in die Kammer für den Schlauch, können dagegen oftmals viel länger gefahren werden, als man gemeinhin so denkt.
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Wer einmal eine alte Reifendecke obduziert hat, kann erkennen, dass das Profil nur ein kleiner Teil des ganzen Protektors (des Gummis) ist. Darunter kommt meist noch eine Pannenschutzschicht, dann noch mal eine dünne Schicht Gummi und dann erst das Reifengerüst. Also: So ein kleines Schnittchen oder etwas Profilmangel ist kein Grund für eine hysterische Entsorgung. Ist doch eine gute Nachricht. Dennoch: Lieber zu früh wechseln als zu spät.

Augen auf, eine saubere Fahrlinie suchen

Keine Garantie, in der Summe aber wirksam: Das geschulte Auge, beziehungsweise die Fahrlinie. Wer mit seinen Reifen ständig durch den Dreck am Straßenrand fährt, sammelt auch mehr Scherben auf. Um Scherbenhaufen macht jeder einen Bogen, aber auch wenn man mal durchfährt: die großen, sichtbaren Scherben sind nur eine seltene Ursache für Reifenschäden. Deswegen sollte man schon gar nicht öfter als nötig dort fahren, wo die kleinen Scherben zu vermuten sind, die man nicht sieht.

Nach dem Platten ist vor dem Platten

Und wenn es euch doch mal erwischt hat? Dann genaueste Ursachenforschung betreiben und sie tunlichst beheben. Und das bevor man den neuen Schlauch eingesetzt hat! Also: Das Loch im Schlauch suchen, finden, Stelle merken (z.B. “zwei Handbreit vom Ventil”), dort idealerweise Ursache finden und sie ausschalten. Dafür sollte man sich ruhig etwas Zeit nehmen, auch im Winter. Denn aus dem selben Grund nochmal liegenbleiben, kostet mehr Zeit.platt Was auch regelmäßig den Unmut der Wartenden zur Folge hat – verständlich.

Sollte aber nichts zu finden sein: toi, toi, toi , dass ihr noch mit heilem Schlauch nach Hause kommt. Dort dann aber noch einmal detektivisch an die Sache herangehen! Suchen, suchen, suchen, bis ihr fündig werdet. Ansonsten steht ihr schon bald wieder mit einem Platten am Straßenrand. Versprochen!

Was ist der beste Reifen?

Wenn man das wüsste! Findet es heraus. Die Lust an guten Reifen beginnt, wo ihr euch nicht mehr über eure Reifen und Reifendefekte ärgern müsst. Gute Reifen“ sind ja auch nicht per se käuflich, sondern „gute Reifen“ sollte als Beschreibung eines Zustands gesehen werden, den ihr selber herstellen müsst.

Motto: Man kann nicht alles verhindern, aber einiges schon!

Bonn-cycling wünscht gute Fahrt – mit der Betonung auf „Fahrt“. Stehen sollen die Anderen.

Link
Eine witzige Ansammlung von Ursachen von Reifendefekten findet sich auf: (siehe „Miststücke“ 1 -14)

http://badboy.niedermayr.cc/

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