Aug
22
Völlig eigennützig möchte ich euch den Reifentest in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Tour ans Herz legen. Hier einige Zitate daraus:
” Das Ergebnis überrascht: 10 Watt Vorsprung des besten Draht- vor dem besten Schlauchreifen.”
“Die besten Wettkampfreifen für normale Straßen sind Drahtreifen. Sie rollen leichter und haften im Schnitt besser als Schlauchreifen. (…) Das ist mehr als genug um den Gewichtsnachteil der Hakenfelgen zu kompensieren.”
” Dass sich Schlauchreifen grundsätzlich besser anfühlen, können wir nach umfangreichen Tests nicht bestätigen.”
“Fragt man Reifeningenieure, die selbst Rad fahren, ist die Sache klar: Sie ziehen die Top-Drahtreifen den Schlauchreifen vor. Nur bei den Profi-Teams stoßen sie auf taube Ohren. Dort zählt vor allem Tradition.”
Wenn ich dann noch hinzu zähle, dass:
- Schlauchreifen schon beim Aufziehen ein Vielfaches an Aufwand und Zeit benötigen. Vordehnen, Felgenbett kleben, Reifen ausrichten, Trockenzeit bedenken…
- Schlauchreifen sich nach einem Reifenwechsel bei Nässe auf der Felge gerne mal drehen können. Da fährt man dann mit der Flanke oder sogar mit dem Nahtschutzband auf der Straße. Aber nur gegenüber vom Ventil, am Ventil dafür nicht. Super angenehm!
- Schlauchreifen sich auch in Längsrichtung drehen können, nämlich wenn die Felge heiß gebremst wird und der Kleber dadurch weich. Das passiert aber nur im Gebirge, also wenn man das am wenigsten gebrauchen kann. Wenn man Pech hat, drehen sie sich soweit, dass das Ventil abreißt. Ist nicht schlimm, knallt nur schön laut auf der Abfahrt.
- Schlauchreifen offenbar so sensibel sind, dass man mit einigen nicht mal durch Baustellen fahren kann. Schlauchreifen machen also auch einsam.
- Schlauchreifen als Ersatzreifen deutlich mehr Platz einnehmen als ein Schlauch. Egal, eine Flasche reicht doch.
- Schlauchreifen im Schnitt auch noch teuer und deutlich schwieriger zu flicken sind. Oder ex und hopp wie mit den Schläuchen für 5 Euro.
- Schlauchreifen erheblich schwieriger (länger) zu wechseln sind als Drahtreifen (wirklich der einzige Grund warum ich das hier veröffentliche). Ich errinnere mich da an ein von Karl organisiertes Sonntag-Vormittags-Relaxing am Straßenrand bei Bad Münstereifel. Geschätzte 30 Minuten sind – glaube ich – da nicht übertrieben.
Ich will euch ja wirklich nicht den Spaß an euren neuen schicken Schlauchreifen nehmen, aber in der Summe ist die Sache für mich jetzt noch viel klarer als je zuvor!
Addiert man dann noch die Kompliziertheit hinzu, die man sich mit den wundersamen Pannen-Flüssigkeiten ins Haus holt: Hält sie oder hält sie nicht? Wird es Schweinkram geben, oder geht es gut? Verklebt das Ventil wenn ich Pech habe, und womöglich die Pumpe gleich mit? Im Übrigen sind diese Soßen nicht neu, sondern die gibt es schon lange. Die sind nur in Vergessenheit geraten, weil sie absolut nichts getaugt haben.
Vielleicht ja jetzt. Wurde bestimmt alles ganz neu erfunden. Also toi, toi, toi… Ich hoffe nur, wir müssen im Falle eines Falles nicht lange warten. Und dass es dann nicht regnet. Und dass kein Winter ist und wenn doch, dass ihr dann warme Finger habt. Und dass noch genügend Tageslicht vorhanden ist. Was noch?
Es gab ja mal eine sieben Minuten-Regel für einen Reifen-Wechsel…
Nichts für ungut. Ich wünsche euch allen weiterhin gute und sichere Fahrt – auf welchen Reifen auch immer. Ihr entscheidet.
Wir sind übrigens nicht die Einzigen, die das diskutieren.
Im Tour-Forum geht’s auch heiss her, mit den gleichen Argumenten:
http://forum.tour-magazin.de/showthread.php?t=204917
Idee ist super. Ich gebe aber (mal wieder ich) zu Bedenken, dass die meisten Reifen bei Regen und im Winter platt gefahren werden.
Ich wollte hier aber wirklich keine Diskussion lostreten. Ich wollte doch nur der Euphorie der Schlauchreifen-Fans und -Verkäufer über diese Retro-Reifen mal eine technisch fundiertere Sichtweise gegenüberstellen.
Damit sich die Enttäuschung und kommende Wartezeiten in Grenzen halten. Und damit jetzt nicht auch noch simple Baustellen ein Problem unserer Gruppendynamik werden.
Die Idee von Matthi finde ich gut! Das Ausgeben verlagern wir dann auf die Abschlussrunden im Biergarten, dann kommen da vielleicht mal ein paar mehr Leute mit und wir können diese Themen bei Weizen und Brezeln diskutieren
Also mein Vorschlag:
jeder kommt mit was er will und wer den ersten Platten hat egal ob mit Schlauch- oder Drahtreifen und zum Wechseln/Flicken länger als sagen wir mal 8 min. braucht, muss einen ausgeben.
(Hoffentlich schlägt Murphy jetzt nicht zu, und mich erwischt’s…)
Wir können ja auch überlegen, ob wir das ab jetzt generell so handhaben?
Ich glaube übrigens, daß der liebe Karl mit seiner 30 Minuten-Nummer in Bad Münstereifel seinerzeit den Ruf der Schlauchreifen endgültig ruiniert hat.
Aber seit er nicht mehr mit Reifen aus dem Fundus seiner aktiven Zeit rumfährt(das müsste so in den tiefen 80ern gewesen sein), geht’s doch eigentlich.
Die Idee von Alberto finde ich nett (was ist denn ATN?). Könnte man ja mit einem Saionabschlussumtrunk Ende Oktober verbinden… Oder noch besser mit einem Wechselwettbewerb auf Zeit Jörg gegen Alberto
Ansonsten glaube ich, dass jemand, der einen Faltreifen in 7 Minuten wechseln kann mit derselben Übung auch einen Schlauchreifen in ähnlicher Zeit wechseln kann. Meine Erfahrung (allerdings zum Üben vor dem Fernseher) liegt bei ca. 3 Minuten zum Lösen des Reifens, 3 Minuten zum Lösen des alten Tufo-Bandes, 3 Minuten zum Kleben des neuen Bandes und 5 Minuten zum Reifen drauf/ausrichten/Schutzfolie raus. Pumpen muss man auch bei Faltreifen
Also ca. 15 Minuten beim zweiten Mal in meinem Leben. Dazu sagen muss man nur, dass die Zeit für das Lösen des alten Bandes auch deutlich länger dauern kann, je nachdem wie viele (oder besser wie wenige) Klebereste man auf der Felge hinterlassen möchte. Unterwegs ist das eher nebensächlich, man kann dann trotzdem drüber kleben.